Das Mittelalter hat immer wieder Hochkonjunktur, was sich auch musikalisch durch eine wachsende Zahl von CDs und Konzerten zeigt. Dem gegenüber scheint die einschlägige Forschungsliteratur mehr und mehr nur noch als Tummelplatz für Fachleute, für mediaevistisch tätige MusikwissenschaftlerInnen zu dienen. Ich frage mich, ob es nicht möglich wäre, einen grösseren Kreis von InteressentInnen – aus der Musikwissenschaft, aus der Mediaevistik insgesamt – anzusprechen. Darum probiere ich zwei Ansätze aus:

Erstens: Viele Einführungsveranstaltungen der universitären Musikwissenschaft widmen sich handwerklichen Fragen. Solche Propädeutik ist für alle nützlich, die einen vertieften Zugang zum Mittelalter suchen. Wer aber eine erste Orientierung sucht, wird die Verbindung zu übergeordneten Fragestellungen vermissen. Ich versuche, über solche Fragen zu berichten und einschlägige Materialien anzubieten.

Zweitens: Bei vielen Gebieten sind die ursprünglichen, bereits in sich interessanten Fragestellungen in Vergessenheit geraten. Denn oft werden sie durch daran anknüpfende Diskussionen oder Berichte nicht weitergeführt, sondern durch das Beackern von Detailproblemen "ersetzt". Ich möchte versuchen, solche Fragestellungen wieder aufzunehmen, und das auch dann, wenn ich zu ihrer Lösung nur wenig beitragen kann.

Die Website ist im Versuchsstadium, also im Zustand des unaufhörlichen Aufbaus, Abbaus und Umbruchs. Positiv ausgedrückt: Leser werden immer wieder etwas Neues finden.

Die Inhalte dieser Website:

Im Menu Literatur gibt es ein Abkürzungsverzeichnis und eine Bibliographie.

Unter dem Menueintrag Notizen aus der Provinz sind allgemeinere kürzere Texte verbucht. Derzeit gibt es einige kritische Notizen zum Buch Autonomie des Klangs von Gunnar Hindrichs mit kontrastierenden Anmerkungen von Fritz Reckow und Wolfgang Marx. Dazu kommen recht allgemeine Bemerkungen zur Frage "Was ist Musik?"

Anfänge im Mittelalter widmet sich dem Thema, das sich dann ergibt, wenn man in der Musikgeschichte nicht nur jene Ethnien berücksichtigt, die Musik schriftlich überliefern, sondern den Zusammenhängen nachgeht, welche die Überlieferungsgeschichte aufzeigt. Es geht dann um den Transport einschlägigen Wissens in Judentum, Christentum und arabischem Islam. Die Seite Drehbuch gibt Aufschlüsse über diesen Plot, dazu gibt es Abbildungen und eine kurzgefasste Einführung in die Notationskunde. In ihr wird – passend zum Plot – der Unterschied zwischen lateinischen Neumen und byzantinischen Notationen skizziert.

Mittelalterliche Musiklehre ist ein Tummelplatz zum Ausprobieren von Ideen. Sie werden dann wichtig, wen man fragt, welche Art von Wissen hinter den Prozessen von Gestaltung und Komposition steckt und wie dieses Wissen entsteht.

Unter dem Menu Notation wird zusammengetragen, was zur frühen Geschichte der Notationen gehört. Es geht um Grundlagen der Notationstheorie im Mittelalter sowie um allgemeine Ansätze der Schrifttheorie (unter Berücksichtigung von Problemstellungen, die sich Ernst Cassirer, Nelson Goodman, Ludwig Wittgenstein, Christian Stetter und Sybille Krämer verdanken) und der Beziehung solcher Vorhaben zur Geschichte der Notationen.