Kleine Notationskunde

Hier gibt es einführende Bemerkungen zu

  • Neumen
  • Modalnotation
  • Mensuralnotation

Es handelt sich um das Kapitel Schreibstunde meines Buches Musikalisches Denken im Mittelalter. Eine Einführung, Bern etc. 22007.

Einführende Bemerkungen zu byzantinischen Notationen sind auf dieser Site noch nicht vorhanden. Wer sich interessiert, mag einige Hinweise nützlich finden (→Literaturangaben).

Die mittelbyzantinische Notation ist in der byzantinischen Überlieferung die Notationsstufe, die jener der diastematischen Schriften auf Linien im lateinischen Westen entspricht. Um ältere Quellen (der sog. paläobyzantinische Notationen) übertragen zu können, benutzt man als Ausgangsversion jeweils eine mittelbyzantinische Fassung.

Die mittelbyzantinische Notation ist eine Intervallnotation. Folgende Grundzeichen werden gebraucht:

Ex1

Aufgrund einiger einfacher Regeln werden diese Zeichen so gruppiert, dass sie alle nötigen Intervalle bezeichnen. Zum Beispiel wird der Intervallwert zweier übereinander gestellter Somata addiert:

Ex3

Neben den Intervallzeichen gibt es rhythmische Zeichen (deren Interpretation Schwierigkeiten bereitet):

Ex4

Von besonderem Interesse sind Zeichen, mit denen Wendungen, Floskeln und/oder Formeln angezeicgt werden. Man spricht oft von Hypostasen. Zu nennen sind:

Ex5

Solche Segmente (für deren Bezeichnung die Notenschriften des lateinischen Westens kein Äquivalent kennen!), werden aufgelistet im sog. Lehrgesang des Koukouzeles. Zwei Beispiele seien gegeben:

Ex7

Das sog. Kylisma bezeichnet hier die Viertonfloskel dcdHc. Ebenfalls sehr häufig ist der Thematismos, der hier die Folge Hcedc anzeigt.

Ex8

Damit eine Intervallnotation ins Tonsystem eingeordnet werden kann (das Problem: die Lage der Halbtöne!), sind Modus-Angaben erforderlich. Häufig genannt werden acht Modi (échoi):

Ex9

Sie werden angezeigt durch Intonationsformeln oder deren Stellvertreter, die sog. Martyriai:

Ex10

Neben den acht Modi sind auch mediale Modi geläufig. Hier Intonationsformel und Incipit eines Stücks im vierten medialen échos:

Literaturangaben:

  • Die unter dem Schlagwort "Notation" in der MGG2 versammelten Artikel wurden in Buchform herausgegeben: Andreas Jaschinski (Hg.), Notation, Kassel/Stuttgart 2001.
  • Christian Troelsgård, Byzantine Neumes: A New Introduction to the Middle Byzantine Musical Notation, Kopenhagen 2011 (MMB. Subsidia 9) [142 p. ISBN 9788763531580. $86.] Music examples, tables, illustrations, appendix of manuscript facsimiles, bibliography, indices, reference card.
  • Eine sehr einfache, durchaus brauchbare Zusammenstellung gibt Jørgen Raasted, Intonation Formulas and Modal Signatures in Byzantine Musical Manuscripts, Kopenhagen 1966 (MMB. Subsidia VII).
  • Als knappe Einführung nach wie vor brauchbar: Max Haas, Byzantinische und slavische Notationen, Köln 1973 (Palaeographie der Musik I.2)
  • Zum Lehrgesang des Koukouzeles und zu entsprechenden Zeichen in byzantinischen Notationen: Constantin Floros, "Die Entzifferung der Kondakarien-Notation“, in: Musik des Ostens 3 (1965), 7-71; 4 (1967), 12-44; ders., Universale Neumenkunde, I-III, Kassel 1970.