Christian Stetter

Christian Stetter hat herausgearbeitet, dass ganz unterschiedliche Schrifttypen – etwa: Alphabetschriften, verwendet für viele indogermanische Sprachen, Silbenschriften (Arabisch, Hebräisch), „Wortbilder“, Ideogramme (Chinesisch) – nicht einfach unverbunden neben den geistigen Aktionen, die deren geschriebene Manifestation ermöglichen, stehen. Schriften sind (etwas emphatisch formuliert) Ausdruck von Weltbezug, von kognitiven Aktionen. Was Stetter für den Bereich der Textschriften erarbeitet hat, lässt sich meines Erachtens gut anwenden auf Notenschriften, die auf Einzeltöne ausgerichtet sind (was sich bereits bei Neumenschriften beobachten lässt) einerseits und Aufzeichnungsweisen, die melodisches Substrat (Floskeln, Wendungen, Formeln) bezeichnen, wie (unter den paläobyzantinischen Notationen) die paläobyzantinischen Schriften, vorab die Chartres-Notation, sowie die damit verwandte früh-russische Kondakarien-Notation.
Es ist zudem zu überlegen, wie weit Stetters Untersuchungen es auch erlauben, die sogenannten eiphonetischen Schriften (Masorah, griechische/syrische Ekphonesis) besser zu studieren. Es geht um Zeichen, die jeweils Satzteile eines laut vorzutragenden Textes einrahmen und damit anzeigen, wie die Vortragsart von der Semantik des Textes abhängig ist.